Formaldehyd in der Raumluft | Hintergrundinformationen

Formaldehyd ist der geläufige Name für die chemische Verbindung Methanal, dass einfachste Aldehyd mit der Formel CH2O. Es ist ein farbloses, wasserlösliches, sehr reaktionsfreudiges, Gas und wird  als Grundstoff für industrielle Synthesen zur Herstellung zahlreicher Produkte eingesetzt. Formaldehyd war dabei der erste Stoff, der mit einer CAS-Nummer (50-00-0) bezeichnet wurde.

Das Gas hat einen säuerlich-stechenden Geruch. Die Geruchsschwelle des Menschen liegt dabei in der Regel unter 1ppm; körperliche Reaktionen können jedoch schon bei niedrigeren Konzentrationen erfolgen.

Wirkungen auf den Menschen

Über seine hohe biologische Reaktivität reizt Formaldehyd in hohen Konzentrationen die Schleimhäute; ferner kann es Kontaktallergien auslösen. Das Gas hat ein krebserzeugendes Potential und steht unter begründetem Verdacht, in hohen Konzentrationen erbgutverändernd zu wirken. Bei langanhaltender Exposition kann es zu Befindlichkeitsstörungen wie Schlaflosigkeit, Mattigkeit, Antriebsverlust, Appetitmangel oder Nervosität, Augenreizungen und Bindehautentzündungen, Hautreizungen, chronischer Husten, Erkältungen und Bronchitis, Kopfschmerzen, Depressionen u.a. kommen.

Wirkungen von Formaldehyd

Die schädigenden Wirkungen beginnen bereits weit unter der Geruchsschwelle. In vielen Fällen wird der typische Geruch auch überdeckt von anderen Komponenten, die z.B. im Zigarettenrauch oder den Autoabgasen enthalten sind.

Emissionsquellen

Formaldehyd ist ein weitverbreiteter Stoff. In der Natur tritt es z.B. bei Stoffwechselprozessen oder Photooxidation auf. Ferner ist es ein natürliches Abbauprodukt des in Holz enthaltenen Lignin oder in Früchten enthalten. In Gebäuden entsteht es zumeist durch unvollständige Verbrennungsprozesse (z.B. Heizungstechnik) oder durch spezifische Emissionsquellen, die zuvor in das Gebäude eingebracht wurden. Diese können z.B. sein:

Auch durch menschliche Nutzung können Formaldehydemissionen entstehen. Wichtige Emissionsquellen sind dabei z.B.:

Richt- und Grenzwerte für Formaldehyd

Seit 1977 besteht seitens des Bundesgesundheitsamt einen Richtwert für die Innenraumluft von maximal 0,1 ppm (0,12 mg/m³) Formaldehyd, der auch durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes sowie und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der obersten Landesgesundheitsbehörden bestätigt wurde.

Bis zum Jahr 2006 wurde im Rahmen der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS 900) ein Grenzwert von 0,62 mg/m3 definiert. In der Folge wurde über die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Grenzwert von 0,37 mg/m3 empfohlen.

Ebenso stellt die World Health Organisation, die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V (AGÖF) oder das Institut für Baubiologie + Ökologie IBN mit dem Standard der baubiologischen Messtechnik SBM-2008 Richt- und Zielwerte für Formaldehyd.

Richt- Grenz- und Zielwerte für Formaldehyd

 

Maßnahmen zur Reduktion von Formaldehyd

Die einfachste Möglichkeit zur Reduzierung von Formaldehydbelastungen stellt die Reduktion der Nutzung von Formaldahydhaltigen Stoffen im Haushalt dar. Hierbei besteht auch die Möglichkeit, den Abbauf von Formaldehyd durch bestimmte Grünpflanzen zu beschleunigen. Hierzu gehören Grünlilien, Drachenbaum, Efeu, Purpurtute, Philodendron, Aloe und Gerbera. Diese Pflanzen sind jedoch nur bei einer geringen Formaldehydbelastung von Nutzen.

Bei größeren Emissionen ist zunächst die Abfuhr der Schadstoff von zentraler Bedeutung. Lüftungsverhalten oder ggf. der Einbau einer mechanischen Lüftung unterstützen dabei maßbeglich den Abtransport.

Bei besonders starken Emissionen (z.B. bei einigen Holz-Fertighäusern aus den 70er Jahren) ist der Ausbau der emittierenden Bauteile oder Möbelstücke ratsam.

 

Erarbeitet von Nele Broll im Rahmen eines Schülerpraktikums 2014