29-30.10.15 - Ergebnisse der Pilotphase des AktivPlus e.V. bekanntgegeben

Das Projekt +e Kita Marburg hat erfolgreich an AktivPlus Pilotphase teilgenommen. Es erfüllt rechnerisch die Zielwerte des AktivPlus Standards.

Der AktivPlus e.V. als Initiative von Planern und Wissenschaft­lern zielt auf die Entwicklung eines zukunftsfähigen, gesellschaftlich etablierten Standards für Gebäude und Quartiere in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Im Rahmen der diesjährigen Jahresversammlung und des Kongresses „PREIS und WERT | Energieeffizientes Bauen: Kosten und Hürden, Qualitäten und Nutzen“ wurden die Ergebnisse der Pilotphase für AktivPlus Gebäude bekanntgegeben.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Stadt Frankfurt im Ernst-May-Saal des Planungsdezernats der Stadt Frankfurt statt. Die Begrüßung der Teilnehmer erfolgte durch den stellvertretenden Amtsleiter des Stadtplanungsamtes der Stadt Frankfurt – Baudirektor Markus Radermacher. Er stellte dabei die für die Entwicklung des energieeffizienten Bauens wertvollen Impulse der Stadt Frankfurt heraus. So ist z.B. seit Herbst 2007 laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung beim Neubau und der Sanierung städtischer Gebäude der Passivhausstandard anzustreben. Ferner deutet er die anstehenden, großen Aufgaben der Stadt an, die z.B. das Verfügbarmachen von weiterem nutzbarem Wohnraum aufgrund des Stadtwachstums. In diesem Zusammenhang begrüßte er auch die Initiative der Entwicklung des AktivPlus Standards als eine mögliche zukünftige Alternative zur Weiterentwicklung der energetischen Ziele der Stadt Frankfurt. Stefan Plesser von der TU Braunschweig rundete den inhaltlichen Teil des Kongresses durch Erfahrungen aus Monitoringprojekten der Stadt und Region Hannover ab. Felix Lüter, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Nassauischen Heimstädte, fokussierte Hemmnisse und Chancen bei der Weiterentwicklung des unternehmenseigenen Bestandes. Zur Weiterentwicklung des Standards erfolgen Workshops nach dem World Café Prinzip zu den Schwerpunkten des AktivPlus Standards: Energie und Vernetzung, Nutzer und Lebenszyklus.

Kriterien des AktivPlus Standards Quelle: AktivPlus e.V.

Kriterien des AktivPlus Standards Quelle: AktivPlus e.V.

Die Merkmale des Standards sind dabei:

  1. Energiebilanz,
  2. Nutzerkomfort,
  3. Suffizienz/Flächeneffizienz,
  4. Architekturqualität,
  5. Ökobilanzierung,
  6. Lebenszykluskosten und
  7. Vernetzung.

Ziel ist es, ein anwendbares System zu schaffen, bei dem sowohl der Klimaschutz durch die entsprechende Technik als auch die Wohnzufriedenheit der Bewohner oberste Priorität haben.

Mit Spannung wurde aber auch die Präsentation der Ergebnisse der ersten Pilotphase für AktivPlus Gebäude erwartet, die der Verein im Sommer 2015 mit insgesamt 26 Pilotprojekten durchgeführt hat. Für 18 Gebäuden wurden dabei detaillierte Informationen in einer hohen typologischen Breite eingereicht. 10 der 18 Projekte erreichten dabei rechnerisch das Ziel des AktivPlus Standards. Fünf weitere das Ziel AktivBasic. Weitgehend noch nicht nachgewiesen werden konnte, dass diese rechnerischen Ergebnisse auch in der Realität durch die Gebäude erreicht werden.

Das von der ee concept eingereichte und für die Pilotphase teilweise noch einmal detailliert untersuchte Projekt +e Kita Marburg konnte dabei als eines der größeren Gebäude in der Pilotphase die Zielwerte des AktivPlus Standard erfüllen. Dabei wurden die Berechnungsergebnisse von -3,9 kWh/m²a (für Betrieb und Nutzung) bestätigt. Nach vorläufiger Schätzung des Vereins nutzt das Gebäude dabei etwa 35% des lokal erzeugten Stroms direkt. Dabei wurde es als effizientes Gebäude mit guter Dokumentation beschrieben und die Durchführung des Monitoring des lnnenraumklimas, des Energieverbrauchs und einer Nutzerbefragung hervorgehoben. Die speziell für die Pilotphase erarbeitete Ökobilanz des Gebäudes weist dabei nach, dass das Gebäude sich unter heutigen Rahmenbedingungen in ca. 20 Jahren primärenergetisch amortisiert. Die parallel dazu erfolgte Szenario-Analyse der ee concept zum Überprüfung potenzieller primärenergetischer Verbesserung in der Deutschen Energieversorgung auf die energetische Bilanz bot dabei seitens des Vereins auch einen inhaltlichen Mehrwert. Sie zeigte, dass selbst in einem „Worst-Case Szenario“ sich das Gebäude nach etwa 30 Jahren amortisiert. Es stellt also nach 30 Jahren auch unter Berücksichtigung des Energieaufwandes zur Herstellung von Gebäude und Technik sowie der Nutzung sicher eine Umweltentlastung dar.


>> Darstellung der +e Kita Marburg in der Projektgalerie der ee concept
>> Website des AktivPlus e.V.

(News vom 30.10.2015)

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