Dauerhaftigkeit kirchlicher Bauten

von Martin Zeumer

Mit dem Bau der Probsteikirche St. Trinitatis in Leipzig entstand einer der wenigen zeitgenössischen kirchlichen Neubauten. Schon zu Planungsbeginn waren die Verantwortung gegenüber der Schöpfung sowie die hohe Nach­haltigkeit des Bauwerks im Fokus. Gebäude verstehen wir in der Regel als dauerhaft – trotzdem bestehen zwischen einzelnen Gebäuden deutliche Unterschiede, die über die Zeit schrittweise offensichtlich werden. Denn der Lebenszyklus eines Gebäudes wird bestimmt durch die Dauerhaftigkeit und Alterungsfähigkeit der Baustoffe und der eingesetzten Systeme in Bezug auf die jeweilige Nutzung. Ergänzend tragen Wartung und Instandhaltung zum Werterhalt bei und dienen der Verlängerung des Lebenszyklus.

Grundfesten für langlebiges Bauen werden durch stadträumliche, architek­tonische, materielle und bautechnische Qualitäten definiert, die im Dienst gesellschaftlicher und räumlicher Wertschöpfung stehen. Die Produktion von Dauerhaftigkeit beginnt also bereits bei der Grundlagen­ermittlung.

Bei der besonders langen Nutzungsphase einer Kirche spielt die Erhöhung der Dauerhaftigkeit von Bauteilen und Materialschichten eine wichtige Rolle. Dazu gehören auch eine lange Lebensdauer, ein geringer Wartungsbedarf von Konstruktion und TGA, die leichte Zugänglichkeit von wartungrelevanten Komponenten sowie die Entwicklung von Sanierungskonzepten für unzugängliche Komponenten der TGA.

Für die Probsteikirche St. Trinitatis wurden gewohnte Standards der Langlebigkeit sowie des Komforts hinterfragt und in Bezug auf die jeweilige Notwendigkeit neu bewertet. Im Fokus stand eine Bewertung von der Produktion über den Lebenszyklus bis hin zu Revisionierbarkeit und Entsorgung. Die Betrachtungen führen über den üblichen Zeitraum von 50 Jahren (nach DGNB) hinaus und zielen auf eine nahezu unbegrenzte Nutzungsdauer. Langlebige Baustoffe auf mineralischer oder nachwachsender Rohstoffbasis wurden bevorzugt. Im Ergebnis liegt der Referenzwert der Ökobilanz des Kirchenneubaus 45 Prozent unter dem Referenzwert nach DGNB.

zur Broschüre (PDF, 4,93 MB)


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